Zunächst ist es essentiell wichtig zu klären, um welches Fachgebiet es sich bei dem Text handelt, denn ein Übersetzer mit fundiertem technischen Know-how wäre vermutlich der Falsche, wenn es um die Übersetzung eines Vertrages geht. Ebenso wie ein juristischer Fachübersetzer wiederum nicht der Richtige für die Übersetzung von Marketingmaterial oder Broschüren wäre. Die Marketingsprache hat ihre ganz eigenen Herausforderungen und die Präsentation soll am Ende genau die Zielgruppe erreichen, da kommt es auf stilistische Feinheiten, landestypische Besonderheiten und nicht zuletzt eine altersgerechte Ansprache an. All dies sollte dringend vorab besprochen werden, bevor es mit der eigentlichen Übersetzung überhaupt losgehen kann. Bei einem Vertrag, um noch einmal auf Rechtstexte zurückzukommen, sind Hintergrundinformationen sehr hilfreich und nützlich: Wer sind die Parteien und wie hängen sie zusammen? Welche Seite vertritt die Kanzlei, von der wir beauftragt werden? Wie ist der Stand des Verfahrens? Sind wir im Zivilrecht oder im Strafrecht? Für welchen Zweck wird die Übersetzung benötigt, d.h. ist es nur intern zu Verständniszwecken oder wird die Übersetzung beispielsweise als Anlage zu einem Schriftsatz bei Gericht eingereicht? Dann müsste dies nämlich sehr wahrscheinlich in beglaubigter Form übersetzt werden. Oder ist die Übersetzung gar für die Verwendung im Ausland gedacht? Dann gilt es, nicht nur den Inhalt zu transportieren, sondern bisweilen ein komplett anderes Rechtssystem. Das deutsche Rechtssystem funktionier anders als das britische funktioniert anders and das amerikanische. Das sollte dringend klar und einem bewusst sein.

Wir kennen also (zumindest ein wenig) den Hintergrund, Sinn und Zweck der Übersetzung und wer der Adressat ist. Wir bekommen neben dem Text gegebenenfalls auch Referenzmaterial wie bereits übersetzte Vorgängerversion oder, falls vorhanden, ein Glossar zur Verfügung gestellt und können nun mit der eigentlichen Arbeit loslegen: dem Übersetzen. Wir verschaffen uns also einen Überblick über den zu übersetzenden Text und lesen ihn im Zusammenhang einmal durch und sichten das Referenzmaterial, damit klar ist, an welchen Textpassagen wir uns auf eben jenes beziehen sollten und um die vorgegebenen Terminologie auch entsprechend zu verwenden. In den seltensten Fällen ist es sinnvoll, „einfach loszulaufen“ um dann hinterher festzustellen, dass vielleicht der ein oder andere Absatz schon übersetzt vorliegt oder man die ganze Zeit ein Wort anders verwendet, als es der Kunde vielleicht haben möchte. Manches hat sich so eingebürgert, da ist eben auch das interne Wording zu berücksichtigen. Von terminologischer Konsistenz ganz zu schweigen. Wenn man zum Beispiel im Text das Wort „Kunde“ ins Englische übersetzt, verwendet man durchgängig ENTWEDER „Customer“ ODER „Client“ und nicht wie einem beliebt oder um den Text abwechslungsreicher zu gestalten mal so und mal so. Zumal hier auch ein Unterschied in der Bedeutung liegt. Aber auch tatsächlich synonym zu verwendende Wörter werden in der Fremdsprache, anders als wir das im Deutschen tendenziell machen, nicht um Abwechslung bemüht synonym eingesetzt.

Am Ende sollte die Übersetzung idealer Weise klingen, als wäre sie das Original. Den Vorgang des Übersetzens sollte man dem Text nicht anhören.